Es war an der Zeit. Wir verließen das nicht so strahlende (weil regnerisch) Hiroshima früh morgens und brachen mit dem Shinkansen über Nagoya, nach Takayama auf. Nach ein paar kleinen Schwierigkeiten mit unseren Tickets am Bahnhof, Komplikationen die die Unterstützung von insgesamt 4 Mitarbeitern benötigte und eine Menge Grübeln, Stirnrunzeln und Ausprobieren erforderte, konnten wir schlussendlich unsere Reise antreten. Von Nagoya nach Takayama fuhren wir mit dem Hida Limited Express Train und erhielten die „Scenic Tour“. Dieser Zug führte uns über einen Zeitraum von 2 1/2 Stunden durch ein idyllisches Japan. Ganze Dörfer gebaut in feudal japanischer Architektur, Wälder auf Hügeln und Bergen in verschiedensten Grüntönen und ein lebensspendender Fluss, der diese Landschaft rundum versorgt und uns den Großteil unserer Fahrt begleitete.



In Takayama angekommen entschieden wir uns, nach einer kurzen Stärkung und dem Abladen unseres Gepäcks in der Unterkunft, einen ziellosen Spaziergang durch die, wiedermal, leicht verregnete Stadt zu machen. Der erste Eindruck der Stadt war äußerst positiv und wir bekamen ein sehr gemütliches Gefühl vermittelt.


An Tag 2 fokussierten wir uns auf die Sehenswürdigkeiten, die die Stadt selbst zu bieten hatte. Gleich nach dem Aufstehen, einen kurzen Fußmarsch entfernt, erkundeten wir den Miyagawa Morning Market – eine Art Uferpromenade entlang des Flusses der Stadt, gefüllt mit verschiedensten Ständen und Shops, in denen Souvenirs, frisches Obst und Gemüse, duftende Blumen, sowie eine Vielzahl an frischen kleinen Snacks verkauft wurden. Dieser Markt leitete direkt in die Altstadt von Takayama über, unser anschließendes Schlenderziel. Ähnlich wie in Kyoto reihten sich dort die Seiten der Straße mit Häuserfassaden in altjapanischem Stil und beherbergten Cafés, Shops und Wohnhäuser. Der große Vorteil gegenüber Kyoto, obwohl wir uns gerade in der „Golden Week“ befinden, der wichtigsten Ferienwoche Japans, waren die Straßen nicht überfüllt und die Straße sehr angenehm und traumhaft schön zu besichtigen.


Interessanterweise befand sich direkt anliegend an diese Straße der Shiroyama Park, ein Waldgebiet welches mit einer unerwarteten massiven Bärenbegegnungsrate zu werben schien. Uns wurde bald nach Betreten des Waldes von einer älteren Einheimischen Damen nahegelegt, dass wir beim Durchwandern laut sprechen bzw auch das ein oder andere Liedchen anstimmen sollten. Sie selbst hatte eine Glocke an ihrem Rucksack angebunden, die dazu diente naheliegenden Bären ihre Präsenz zu vermitteln, sodass diese ihr aus dem Weg gehen konnten.
Da wir niemandem unsere engelsgleichen Stimmen zumuten wollten und Angst hatten, dass der Bär extra zu uns kommt um uns ruhig zu stellen entschieden wir uns ebenfalls für eine Glocke. Glücklicherweise kann man heutzutage alles mit dem Handy machen und nach einer schnellen Suche auf Youtube waren wir in der Lage einen Glockenton zur Bärenabschreckung in einer 3-stündige Dauerschleife während unseres Spaziergangs abzuspielen und das Ganze mit erfolgreicher Wirkung, denn Bären haben wir keinen zu Gesicht bekommen.

Der letzte Stopp unseres Tages war das Takayama Jinya Anwesen. Ein Gebäudekomplex aus der Edo-Zeit der damals als Regierungsbüro diente. Eine riesige Anlage, mit Bambusmatten ausgelegt, kleinen kniehohen Tischen und Sitzpölstern, alle Räume mit den japanischen Schiebetüren mit Papier getrennt, und unendlich verworren. Vom Komplexitätsfaktor des Zurechtfindens könnte es den heutigen Behördenstandorten nicht ähnlicher sein. Hätten wir nicht alle paar Meter einen Richtungspfeil gehabt, dann wären wir vermutlich noch immer dort.

Abends kehrten wir dann noch ein letztes Mal in die Altstadt zurück, um dort die nächtlichen Eindrücke der Stadt einzufangen, bevor wir uns im Hotel auf die Reise nach Shirakawa-go am nächsten Tag vorbereiteten.
Den darauffolgenden Tag hatten wir komplett für unseren Besuch in dem Weltkulturerbe-Dorf Shirakawa-go eingeplant. Wir nahmen in der Früh einen Bus von Takayama dorthin und merkten schnell, dass wir nicht der einzige Bus waren. Das ganze Dorf ist mehr oder weniger ein Freiluftmuseum – japanische Holzhäuser mit Strohdächern, aus lang vergangener Zeit, fanden hier ihr Zuhause. Manche davon wurden als Museum aufgebaut in denen man das Innenleben der Gebäude erforschen konnte und ein wenig Geschichte erfuhr, während andere immer noch von den Einheimischen bewohnt wurden.


Man könnte es ein kleines Hallstatt nennen, nur etwas weniger stark besucht und als Besucher wurde besser darauf geachtet, das ganze sauber zu halten. Ein guter Zeitpunkt um zu erwähnen, dass es in Japan selten öffentliche Mistkübel gibt, so auch in Shirakawa-go, und es wird von den Touristen erwartet, dass der Müll den man produziert auch wieder mitgenommen wird. Und das anscheinend mit Erfolg.



Um zum eigentlichen Thema zurückzukehren, uns hat das Dorf unglaublich gut gefallen, es war umringt von Wäldern und Bergen, äußerst naturberührt, die Häuser waren sowohl innen als auch außen atemberaubend und die Geschichte zu vereinzelten Häusern war sehr überraschend. Möglicherweise hatte das bewölkte Wetter und die Regenvorhersage hier die Finger ein wenig im Spiel, aber die Besucherzahl war für uns definitiv im akzeptablen Bereich und wurde von uns nicht als übermäßig störend erachtet.



Nachdem auch der folgende Tag von einer Regenvorhersage geplagt ist, haben wir unseren Plan ein wenig umgekrempelt und einen hoffentlich regenvermeidenden Zeitplan kreiert, damit unsere Körper aus Zucker nicht weggewaschen werden. Ob wir damit erfolgen hatten, wird mit dem nächsten Eintrag verraten.
English:
The time had come. We left Hiroshima early in the morning – a city that wasn’t as radiant anymore (due to the rain) – and set off for Takayama via Nagoya on a Shinkansen. After a few minor difficulties with our tickets at the station – complications that required the assistance of no fewer than four staff members and involved a great deal of puzzling, frowning and trial and error – we were finally able to begin our journey. We travelled from Nagoya to Takayama on the Hida Limited Express Train and were treated to the ‘Scenic Tour’. Over the course of two and a half hours, this train took us through idyllic Japan. Entire villages built in feudal Japanese architectural style, forests on hills and mountains in a myriad of shades of green, and a life-giving river that nourishes this landscape all around and accompanied us for most of our journey.



Once we arrived in Takayama, after a quick bite to eat and dropping off our luggage at our accommodation, we decided to take an aimless stroll through the town, while it was, once again, drizzling slightly. Our first impression of the town was extremely positive and we were struck by a very cosy atmosphere.


On day 2, we focused on the sights the town itself had to offer. Straight after getting up, just a short walk away, we explored the Miyagawa Morning Market – a sort of promenade along the town’s river, filled with a wide variety of stalls and shops selling souvenirs, fresh fruit and vegetables, fragrant flowers, and a range of freshly made snacks. This market led straight into Takayama’s old town, our next destination for a stroll. Much like in Kyoto, the street was lined with old-style Japanese house facades, housing cafés, shops and residential buildings. The big advantage over Kyoto was that, even though we were in the middle of ‘Golden Week’ – Japan’s most important holiday week – the streets weren’t overcrowded, making them very pleasant and absolutely lovely to explore.


Interestingly, connecting through this street was Shiroyama Park, a wooded area that seemed to boast an unexpectedly high rate of bear sightings. Shortly after entering the woods, an elderly local lady advised us to speak loudly as we walked through and even to sing the odd song or two. She herself had a bell tied to her backpack, which served to alert nearby bears to her presence so that they could give her a wide berth.
As we didn’t want to subject anyone to our angelic voices and were afraid that the bear might come over specifically to silence us, we decided to get a bell as well. Fortunately, you can do everything with a mobile phone these days, and after a quick search on YouTube, we were able to play a bear-deterrent bell sound on a 3-hour loop throughout our walk – and it worked a treat, as we didn’t spot a single bear.

The final stop of our day was the Takayama Jinya estate. A complex of buildings from the Edo period that once served as a government office. A huge complex, laid out with bamboo mats, small knee-high tables and cushions, all rooms separated by Japanese sliding paper doors, and endlessly labyrinthine. In terms of the complexity of finding your way around, it couldn’t be more similar to today’s government offices. If we hadn’t had a directional arrow every few metres, we’d probably still be there.

In the evening, we returned to the old town one last time to capture the city’s night-time atmosphere before settling in at the hotel to prepare for our trip to Shirakawa-go the next day.
We had set aside the entire following day for our visit to the World Heritage village of Shirakawa-go. We took a bus there from Takayama in the morning and quickly realised we weren’t the only bus. The whole village is more or less an open-air museum – Japanese wooden houses with thatched roofs, dating from a bygone era, have found their home here. Some of them had been converted into museums where you could explore the interiors of the buildings and learn a little about their history, whilst others were still inhabited by the locals.


You could call it a little Hallstatt, only slightly less crowded, and as a visitor, you were expected to take greater care to keep the place clean. A good time to mention that there are rarely any public bins in Japan, this is also the case in Shirakawa-go; tourists are expected to take any rubbish they produce back with them. And apparently, this works.



To get back to the main point, we absolutely loved the village; it was surrounded by woods and mountains, incredibly naturesque, the houses were stunning both inside and out, and the history behind some of the individual houses was quite surprising. Perhaps the cloudy weather and the rain forecast had a bit of a hand in it, but the number of visitors was definitely within an acceptable range for us and we didn’t find it overly disruptive.



As the following day is also plagued by a rain forecast, we tweaked our plans a little and devised a schedule that would hopefully keep us out of the rain, so that our sugar-made bodies wouldn’t get washed away. Whether we succeeded will be revealed in the next post.